Zum Gedenken an Günter Jena

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Holger Badekow
John Neumeier und Günter Jena

Das Hamburg Ballett trauert um Günter Jena, der über Jahrzehnte eng mit John Neumeier und dem Hamburg Ballett verbunden war. Von 1974 bis 1997 wirkte er als Kirchenmusikdirektor der Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg. Als herausragender Kenner des Werks Johann Sebastian Bachs prägte er das musikalische Leben Hamburgs weit über die Stadt hinaus. Er gründete die Hamburger Bach-Tage und veröffentlichte zahlreiche Tonträger und Bücher über Bach. Mit großer Leidenschaft hielt er dessen Musik lebendig. 

Die langjährige künstlerische Partnerschaft mit John Neumeier begann in den 1980er Jahren und fand ihren bedeutendsten Ausdruck in der Entstehung des Balletts Matthäus-Passion. Günter Jena war in der Vorbereitungszeit Neumeiers wichtigster Gesprächspartner und entscheidend an der Konzeption des Werkes beteiligt. Als Kirchenmusikdirektor am Michel lud er Neumeier ein, eine Ballettaufführung mit Orgelmusik Bachs zu planen. Während einer gemeinsamen Begehung schlug Neumeier Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion vor, worauf Jena antwortete: „Das wäre der Traum meines Lebens.“ Bis 2013 – dem 40-jährigen Jubiläum des Hamburg Ballett – dirigierte Jena als Einziger die Aufführungen der Matthäus-Passion. Wird das Ballett ohne Live-Musik gezeigt, erklingt bis heute die Aufnahme aus der St. Michaelis Kirche vom 29. März 1980 unter seinem Dirigat. 

John Neumeier, Choreograf und Gründer des Hamburg Ballett, erinnert sich: „Günther Jena war ein hervorragender Kirchenmusiker, Musikwissenschaftler, aber vor allem auch ein wunderbarer Mensch und Freund. 

Ohne Günther Jena wäre das wichtigste Werk meines Œuvres – die Matthäus-Passion – niemals entstanden. Denn er war es, der mich ständig unterstützte: nicht nur mit seinem präzisen und klaren Wissen über Bachs Meisterwerk, sondern auch mit seiner menschlichen Unterstützung und Enthusiasmus, der mir Mut gab, selbst dann weiterzumachen, als dieses Projekt am Anfang heftig kritisiert wurde. 

Doch nicht nur die Matthäus-Passion haben wir gemeinsam verwirklicht, sondern auch Mozarts Requiem, Händels Messias und das Bach Magnificat mit dem Ballett der Pariser Oper in Avignon, im Palais des Papes, wo sogar die Notenblätter im Abendwind bis ins Publikum flogen! Günter konnte solche Zustände immer mit großem Humor und pragmatische Ideen überwinden. 

Immer war es Günter der, obwohl er diese Musik so intim und bis ins Detail kannte, sehr neugierig auf die Visualisierung durch meine Choreografie war. 

Obwohl wir uns sonst nicht sehr oft gesehen haben, hat er mich und das Hamburg Ballett durch seine in der Michaeliskirche entstandene Aufnahme der Matthäus-Passion auf zahllosen Gastspielen auf der ganzen Welt begleitet und war so bei mir stets präsent.“ 

Der künstlerische Austausch zwischen John Neumeier und Günter Jena inspirierte Neumeier Jahrzehnte später auch zu seinem Ballett Dona Nobis Pacem. Bereits während der gemeinsamen Arbeit an der Matthäus-Passion erinnerte Jena ihn immer wieder daran, auch die h-Moll Messe von Bach zu choreografieren, und fragte beständig: Wann vertanzt du diese bedeutendste aller Messen? Im Dezember 2022, während seiner 50. Spielzeit als Intendant des Hamburg Ballett, feierte Neumeiers Dona Nobis Pacem Premiere. Das Werk ist Günter Jena gewidmet. 

Mit Günter Jena verliert das Hamburg Ballett einen bedeutenden musikalischen Weggefährten, dessen künstlerisches Wirken und inspirierende Persönlichkeit untrennbar mit der Geschichte des Ensembles verbunden bleiben.